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Von wem ich meinen böhmischen Humor, meine böhmische Seele und meine Nase habe ⚓️

Meine böhmische Oma war ein sehr besonderer Mensch, der mich sehr geprägt hat und dem ich sehr nahe stand. Ein wunderbares Beispiel für ihren Humor ist es, wenn es um das Thema Nasen ging. Sie hat einmal gesagt: „Als der liebe Gott die Nasen verteilt hat, habe ich ganz laut HIER gerufen“. Passend zu ihr war dann auch ihre Beerdigung. Erst fährt mir der Pfarrer auf dem Weg von der Kirche zum Friedhof hinten aufs Auto drauf und dann haben wir Enkelkinder fast den Sarg falsch herum ins Grab eingelassen. Beides ging aber dann noch mal gut aus. ✨
Aufgewachsen ist meine Oma in Tuschkau Stadt, heute Město Touškov, nur wenige Kilometer von Pilsen entfernt. Aus ihrer Kindheit hat sie immer erzählt, dass ihre tschechischsprachige Oma sie morgens immer auf Tschechisch begrüßt hat: „Dobré ráno, milá Anno, vyspala ses dobře?“ (Guten Morgen, liebe Anna, hast du auch gut geschlafen?). Meine Oma hat immer betont, dass ihre Oma Deutsch nur nach der Schrift gesprochen hat, d.h., dass sie den böhmischen Dialekt nicht sprechen konnte, aber natürlich verstanden hat. 
Der Geburtsname meiner Oma war Reischl und irgendwann hat sie dann ihren Richard kennengelernt, und zwar war sie da wohl noch relativ jung und brauchte eine Sondergenehmigung, um mit 17 schon heiraten zu können. Zumindest habe ich das so in Erinnerung. Ich bin ganz fest davon überzeugt, dass mein Opa, obwohl sie sich so jung kennengelernt hatten, ihre große Liebe war und sie hat nie wieder einen Mann gehabt. Das deckt sich mit meiner Ansicht, dass es ein großes Glück ist, wenn man in der Liebe eine Seelenverwandtschaft entdeckt und das ist so selten, dass es eigentlich nie zweimal im Leben passiert. ❤️⚓️
Mein Opa wollte viele Kinder haben, aber dann kam die Besatzung der Tschechoslowakei durch die Deutschen und der Krieg. Immerhin waren es drei Kinder: Josef, Maria und meine Mutter Gerlinde. Obwohl mein Opa auch beim Tschechoslowakischen Militär war und bei Skoda gearbeitet hatte, wurde er eingezogen und ist dann bei der Aktion Barbarossa auf der Krim gefallen. Die Nachricht hat meiner Oma der Priester gebracht und sie ist dann vor ihm auf die Knie gegangen und hat seine Beine umarmt. Immer wenn ich daran denke, habe ich Tränen in den Augen. Eine junge Frau mit drei kleinen Kindern wird durch den von den Nazis verursachten Krieg alleine gelassen und muss irgendwie weiterleben.


Zum Glück war da noch ihre Mutter, die ich in sehr guter Erinnerung habe. Wir alle haben sie immer nur liebevoll „die Mutter“ genannt, und es ist mir unvergessen, wie sie sich gefreut hatte, wenn ich ihr als Kind über die Haare gestrichen habe. Ich glaube, dass sie meiner Oma ein großer Rückhalt war und auch meine Uroma hatte ihren Mann im Krieg verloren, und zwar ist er im Ersten Weltkrieg in Albanien an der Ruhr gestorben.
Ich habe nie ein schlechtes Wort meiner Oma über Juden gehört und sie hat immer wieder erzählt, dass es eine jüdische Familie in Tuschkau gab, die zu ihr gesagt hatte: „Wir haben euch doch nichts getan. Ihr könnt weiter bei uns einkaufen. Geht ruhig über den Hintereingang rein.“ Sie hatten wohl großes Vertrauen in meine Oma, sonst hätten sie das nicht gesagt, und es muss wohl in bleibender Erinnerung geblieben sein, da meine Oma mir das mehrmals erzählt hat. Vielleicht hat ja meine große Liebe zum Judentum etwas mit dieser Geschichte zu tun. ????
Es kamen die Beneš-Dekrete und die mehr oder weniger willkürliche Vertreibung. Es wurden nicht nur die Täter vertrieben, sondern auch viele Unschuldige. Ich bin deshalb Václav Havel so dankbar, dass er das zurechtgerückt hat. Ein Teil meiner Familie konnte in der Tschechoslowakei bleiben, aber die Familien der Geschwister meines Opas wurden vertrieben und sind in Franken, Stuttgart, Darmstadt und Limburg gelandet. Ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass meine Oma selbst keine Geschwister hatte. Ich frage mich übrigens oft, warum ich seit meiner Kindheit Clubfan bin und Franken so sehr liebe. Ob das was damit zu tun hat, dass ein Teil der Familie in Franken gelandet ist und dort gut aufgenommen wurde.
Meine Oma, ihre drei Kinder und ihre Mutter wurden also vertrieben. Den Hund Bussi musste sie in Tuschkau lassen und der Bussi hatte wohl gespürt, dass das ein Abschied für immer war. Ich weiß nicht, wie Hunde ihren Schmerz ausdrücken, aber meine Oma hatte gesagt, dass er geweint hatte. 
Die Familie ist dann, nachdem sie in einem Auffanglager war, im Dorf Lindenholzhausen bei Limburg gelandet. Die Dorfbewohner waren der Meinung, dass der Pfarrer doch ein großes Haus hat und er gefälligst auch Platz für Heimatvertriebene machen müsse. Pfarrer Schermuly hat das gemacht und zwei Zimmer für meine Oma, die drei Kinder und meine Uroma zur Verfügung gestellt. Nachdem der Priester gestorben war, kam Pfarrer Bruckner, der ein sehr intellektueller, aber wohl auch warmherziger Mensch war und zu dem und seiner Haushälterin Frau Drops und der Pfarrleni meine Oma bis zu deren Tod einen guten Kontakt hatte. Die Familie hat dann dafür, dass sie dort wohnen durften, immer die Kirche geputzt und auch die Glocken geläutet. ⛪
Leider wurden die Heimatvertriebenen im Dorf nicht gut empfangen. Sprüche wie „nehmt die Wäsche von der Mauer, es kommen die sudetendeutschen Klauer“ waren an der Tagesordnung. Es kam auch vor, dass Bauern zu meiner Oma gesagt hatten: „An euch verkaufen wir nicht!“ Es gab auch andere Beispiele, und meine Oma hat immer wieder erwähnt, wie Frau Vetter (später im Katzenborn) für meine Familie einen Kuchen gebacken hat. Das hat sie wohl so gefreut, dass sie es ein Leben lang nicht vergessen hat und oft erzählt hat. 
Bei der Generation meiner Mutter gab es zum Glück diese Probleme nicht mehr. Die besten Freundinnen von ihr sind Hessinnen und besonders hervorzuheben ist ihre beste Freundin Rita Abel. Bei ihr zu Hause war meine Mutter auch wie zu Hause.
Meine Oma hat dann das Geld zusammengehalten und schon sehr bald konnte sie ein Haus in der Vehlener Straße bauen lassen, und das ist mein Elternhaus. Ich bin also in einem sehr böhmischen Umfeld aufgewachsen, und wenn ich heute in ein tschechisches Restaurant gehe, stelle ich immer wieder fest, dass das Essen wie bei meiner Oma ist.
Das Thema Heimatlosigkeit habe ich wohl auch mitgeerbt. Es hieß bei uns nicht „Dort in Tuschkau“, sondern immer „Bei uns daheim“. Mein Vater war Hesse, aber er wurde wunderbar aufgenommen, und ich würde fast sagen, dass er von der böhmischen Familie fast mehr geliebt wurde als zum großen Teil von seiner eigenen Familie.
Meine Oma war in späteren Jahren stark dement und zu mir hatte sie mal gesagt: „Wo ist denn der kleine Thomas. Du bist doch nicht der kleine Thomas!“ Ein Thema war jedoch immer präsent. Sie hat immer gesagt: „Ich will heim.“ „Du bist doch hier daheim!“ „Nein, daheim ist in Tuschkau.“
Meine Oma war eigentlich ein sehr bescheidener, einfacher Mensch. Sie besuchte zwar in der Tschechoslowakei eine höhere Schule, die sie aber verlassen musste, weil sie am Feld mithelfen sollte. Aber ihr Lebenswerk finde ich trotzdem beeindruckend: In dieser schwierigen Zeit drei Kinder großzuziehen, ist keine kleine Leistung, und auch nicht, was sie sonst im Leben geschafft hat.
Zum Schluss möchte ich über ihren Glauben sprechen, denn das war ihr sehr wichtig. Sie hatte immer wieder zu mir gesagt: „Wenn wir den Glauben nicht gehabt hätten, hätten wir das nicht geschafft.“ ✨⛪
Neulich habe ich die beiden wunderbaren fränkischen Cousinen von meiner Mutter, Luise und Gretel, besucht. Wir haben uns intensiv über unsere Familie ausgetauscht und Luise hat dann berichtet, was ihre Eltern über meine Oma erzählt hatten: „Wenn wir zu Besuch kamen und Anna nicht da war, dann wussten wir, wo Anna war: nämlich in der Kirche. Der Gottesdienst war ihr wichtiger, als die Verwandten pünktlich zu empfangen.“
Ich glaube, dass das ein schönes Schlusswort ist. ⚓️✨

 









 

 

Ausma Derkēvica: Die große lettische Dirigentin und meine zweite Familie in Riga

 

Ausma Derkēvica: Die große lettische Dirigentin und meine zweite Familie in Riga 
Die Dirigentin Ausma Derkēvica (1929–2011) war eine bedeutende lettische Musikerin und die erste Frau, die beim legendären lettischen Liederfest dirigieren durfte. Über ihre herausragende Bedeutung als Künstlerin ist bereits viel geschrieben worden. Ich hatte das große persönliche Glück, mit ihr und ihrer Familie tief befreundet zu sein – und bis heute verbindet mich ein enger Dankbarkeits-Kontakt mit ihrer Tochter Ula, ihrem Schwiegersohn Ansis und ihrem Enkelkind Austris.
Ich habe immer liebevoll von meiner „lettischen Familie“ gesprochen. An dieser Stelle möchte ich berichten, was für ein außergewöhnlicher Mensch Ausma auch privat war, denn sie hat eine bleibende Bedeutung in meinem Leben. Unser jahrzehntelanger Kontakt war geprägt von wunderbaren Begegnungen. Ihr großartiger Humor hat mich immer an meine eigene Oma erinnert: Beide Frauen haben extrem schwierige Zeiten überstanden und Großartiges geleistet.
Eine kuriose Begegnung im Sängerdorf
Wie haben wir uns eigentlich kennengelernt? Nun, das ist eine etwas kuriose Geschichte. Ich habe damals in Lindenholzhausen, dem bekannten Sängerdorf, im Männerchor „Harmonie“ gesungen. Dieser Chor pflegte eine tiefe Freundschaft zu dem lettischen Frauenchor „Dzintars“, dessen Dirigentin Ausma Derkēvica und ihr damaliger Mann Imants Cepītis waren.
Im Jahr 1990 reisten wir mit der „Harmonie“ nach Riga, um als Gäste am großen lettischen Liederfest teilzunehmen. Es ist ein unbeschreibliches, monumentales Ereignis, bei dem rund 20.000 Sängerinnen und Sänger auf einer gigantischen Freilichtbühne gemeinsam singen. Ausma hatte die Ehre, beim Abschlusskonzert die Nationalhymne zu dirigieren. Ich kann jedem nur empfehlen, sich die Videos von diesem Konzert auf YouTube anzusehen: Es war das erste freie Liederfest seit der Besatzung Lettlands durch die Sowjetunion – und erstmalig durften die patriotischen Lieder wieder offen gesungen werden.
Die Überraschung am Flughafen von Riga
Später war der Chor „Dzintars“ zu Gast in Lindenholzhausen, und Ula (ihr offizieller Name ist Inguna, aber enge Freunde und Familie nennen sie Ula – in ihrem wunderbaren autobiographischen Buch nennt sie sich „Ulsiks“) wohnte zusammen mit ihrer Cousine Ingrīda bei uns. Ula lud mich nach Lettland ein. Ich nahm die Einladung dankbar an und reiste im Herbst 1991 – kurz nach der offiziellen Unabhängigkeitserklärung Lettlands – nach Riga.
Unvergessen bleibt mir die Ankunft am Flughafen. Ich holte mein Gepäck, ging in die Ankunftshalle und suchte Ula. Ich sah sie – und direkt neben ihr stand die berühmte Dirigentin Ausma Derkēvica persönlich. Ich dachte mir nur erstaunt: „Oh, ich werde ja von hohen Persönlichkeiten abgeholt!“ Mir war bis zu diesem Moment schlichtweg entfallen, dass Ausma Ulas Mutter ist. Bei dieser Gelegenheit lernte ich auch Ulas Ehemann kennen: Ansis Sauka, einen wunderbaren Sänger, Komponisten, Pianisten und Vokalpädagogen. Sie alle wurden zu engen Freunden und wichtigen Menschen in meinem Leben.
Ein Wohnzimmer im Fernsehen und die Liebe in der Suppe
Dieser erste Aufenthalt war etwas ganz Besonderes, und wir freundeten uns schnell an. Meine lettische Familie bewohnte damals eine große, wunderschöne Wohnung in der Vīlandes iela, nahe dem berühmten Rigaer Jugendstilviertel. Zwei Ereignisse sind mir aus dieser Zeit besonders in Erinnerung geblieben:
Ausma war eine fantastische Köchin. Doch einmal ist ihr die Suppe etwas misslungen. Sie entschuldigte sich lächelnd mit den Worten: „Thomas, es tut mir leid, aber die Suppe ist versalzen – und das liegt an unserer großen Liebe zu dir!“
Ein anderes Mal saßen wir gemeinsam im Wohnzimmer und der Fernseher lief. Plötzlich tauchte genau dieses Wohnzimmer mit dem Sofa, auf dem wir gerade saßen, im lettischen Fernsehen auf! Es handelte sich um eine Aufzeichnung, in der Ausma ein Interview über den legendären lettischen Dirigenten Haralds Mednis gegeben hatte. Kaum war die Sendung vorbei, klingelte das Telefon: Mednis war persönlich am Apparat, um sich gerührt bei Ausma für die herzlichen Worte zu bedanken.
Wahre Größe in der Bescheidenheit

Mich hat bei diesem Besuch zutiefst beeindruckt, dass Ausma trotz ihres Ruhmes eine so liebenswürdige und bescheidene Persönlichkeit war. Das hat sich bis zu ihrem Tod nicht geändert. Sie selbst sagte einmal zu mir: „Die Leute erleben mich im Alltag manchmal verärgert über viele Dinge und wundern sich dann, dass ich beim Dirigieren immer so entspannt und friedlich bin.“ Ich habe Ausma immer als friedlich erlebt. Wer auch nur eine leise Ahnung davon hat, wie schwer das Leben unter dem Kommunismus in der Sowjetunion – besonders für die besetzten baltischen Staaten – war, kann diese Haltung vollkommen verstehen.
Ich weiß heute gar nicht mehr, wie oft ich insgesamt in Lettland zu Besuch war, aber einige Episoden haben sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt:
Begegnungen mit Weltstars und der Blick zum Himmel
Beim darauffolgenden Liederfest im Jahr 1993 – dem ersten im nun wieder vollständig unabhängigen Lettland – durfte ich als „Familienmitglied“ in der zweiten Reihe direkt bei den Dirigenten sitzen – ein unvergesslicher Moment. Ich erinnere mich auch daran, wie Ausma mir von ihrer Begegnung mit Bill Clinton erzählte. Sie ist in ihrem Leben unzähligen Weltpersönlichkeiten begegnet, darunter Juri Gagarin (der erste Mensch im Weltall) und David Oistrach. Einmal wollte ihr der weltberühmte Dirigent Mariss Jansons als Dankeschön für ein Konzert eine wertvolle, teure Uhr schenken. Doch Ausma lehnte bescheiden ab und bat stattdessen um eine ganz einfache Uhr. Diese ist heute im Museum der Liederfestspiele ausgestellt.
Für Ausma war es von existenzieller Bedeutung, dass Lettland in die NATO aufgenommen wurde. Ich weiß noch, wie sie mit mir in die Rigaer Altstadt ging, um die NATO-Flugzeuge am Himmel zu sehen. Bei diesem Spaziergang trafen wir den wunderbaren, leider viel zu früh verstorbenen Komponisten Mārtiņš Brauns, der früher bei Ausma studiert hatte.
Deutsche Gründlichkeit und slawische Seele
Kurz vor meiner Abreise bei einem dieser Besuche machte Ausma mir eines der schönsten Komplimente, die ich je erhalten habe. Sie sagte zu mir: „Thomas, zweimal im Jahr muss ich weinen: Wenn ich eine besonders bewegende Musik höre – und wenn du wieder abreist.“
Später verbrachte ich einmal zwei Monate am Stück in Lettland, um ein Praktikum an der Germanistischen Abteilung der Universität zu absolvieren, wo ich Deutsch und Sprachwissenschaft unterrichten durfte. Ausma war zu dieser Zeit gesundheitlich bereits etwas angeschlagen. Ich habe mich oft stundenlang an ihr Bett gesetzt, und wir haben wunderbare Gespräche geführt. Ausma sprach hervorragend Deutsch. Ich habe zwar im Laufe der Zeit Lettisch gelernt, aber im intimen Gespräch war es dann doch einfacher, sich auf Deutsch zu unterhalten.
Ein absolutes Lieblingswort von ihr muss ich unbedingt erwähnen: „Schweinerei!“ Als ich ihr einmal erzählte, dass ich auf dem Markt sehr billig Bücher des bedeutenden lettischen Schriftstellers Jānis Rainis gekauft hatte, rief sie empört aus: „Das ist eine Schweinerei! Der lettische Goethe wird so billig verkauft!“
Zutiefst berührt hat mich auch Ausmas große Liebe zu den tschechischen Menschen. Sie erzählte mir, dass sie im Jahr 1968, kurz nach der gewaltsamen Niederschlagung des Prager Frühlings, mit ihrem Chor in der Tschechoslowakei war. Als die tschechische Bevölkerung den Bus mit den sowjetischen Kennzeichen sah, flogen zunächst Steine. Die mitgereisten KGB-Aufpasser meinten spöttisch: „Niemand wird sich hier für euch interessieren.“ Doch es kam völlig anders: Bei dem Konzert entstand eine tief bewegende Solidarität. Das tschechische Publikum spürte die Verbundenheit und brachte zum Ausdruck: „Euch Letten geht es genau wie uns. Ihr seid unsere Schwestern und Brüder.“
Unvergessen bleibt für mich Ausmas Satz: „Weißt du, Thomas, die Tschechen haben die beste Mentalität von allen Nationen: deutsche Gründlichkeit und slawische Seele.“ Das hat mich persönlich zutiefst bewegt, und Ausma hat meine Mutter, die 1940 in Pilsen geboren wurde, immer als Tschechin angesehen: „Sie ist so ein guter Mensch, weil sie aus Tschechien kommt!“
Ein großes Stück Heimat
Es gäbe noch unzählige solcher Anekdoten zu erzählen, aber ich möchte es für heute dabei belassen. Ich denke, die Fotos, die ich diesem Artikel beigefügt habe, sprechen für sich. Es war ein riesiges Glück in meinem Leben, einer so wunderbaren Persönlichkeit begegnet zu sein, und ich hoffe, dass ich viel von ihr lernen durfte.
Im vergangenen Jahr war ich wieder zu Besuch bei meiner lettischen Familie – und es war ganz bestimmt nicht das letzte Mal. Für mich ist Lettland nicht irgendein Land auf der Landkarte. Es ist ein großes Stück Heimat, in dem ich unvergessliche Momente erleben durfte. Ausma werde ich für immer im Gedächtnis behalten und mit tiefer Dankbarkeit ehren.

Ausma Derkēvica: Izcilā latviešu diriģente un mana otrā ģimene Rīgā
Diriģente Ausma Derkēvica (1929–2011) bija ievērojama latviešu mūziķe un pirmā sieviete, kurai tika atļauts diriģēt leģendārajā Latvijas Dziesmu svētkos. Par viņas izcilo nozīmi kā māksliniecei jau ir daudz rakstīts. Man bija liela personīga laime būt ciešā draudzībā ar viņu un viņas ģimeni – un līdz šai dienai mani saista ciešs pateicības kontakts ar viņas meitu Ulu, znotu Ansi un mazbērnu Austri.
Es vienmēr esmu mīļi runājis par savu „latviešu ģimeni”. Šajā vietā es gribētu pastāstīt, cik neparasta persona Ausma bija arī privātajā dzīvē, jo viņai ir paliekoša nozīme manā dzīvē. Mūsu gadu desmitiem ilgo kontaktu raksturoja brīnišķīgas tikšanās. Viņas lieliskais humors man vienmēr atgādināja manu pašu vecmāmiņu: abas sievietes ir pārdzīvojušas ārkārtīgi grūtus laikus un sasniegušas lieliskus panākumus.


Dīvaina tikšanās dziedātāju ciematā

Kā mēs vispār iepazināmies? Nu, tā ir nedaudz dīvaina vēsture. Toreiz es dziedāju Lindenholzhausenā, slavenajā dziedātāju ciematā, vīru korī „Harmonie”. Šim korim bija ciešas draudzības saites ar latviešu sieviešu kori „Dzintars”, kura diriģente bija Ausma Derkēvica un viņas toreizējais vīrs Imants Cepītis. 

1990. gadā mēs ar ansambli „Harmonie“ devāmies uz Rīgu, lai kā viesi piedalītos lielajā Latvijas Dziesmu svētkos. Tas ir neaprakstāms, grandiozs notikums, kurā apmēram 20 000 dziedātāju kopā dzied uz milzīgas brīvdabas skatuves. Ausmai bija gods noslēguma koncertā diriģēt valsts himnu. Es varu tikai ieteikt ikvienam noskatīties šī koncerta video YouTube: tas bija pirmais brīvais dziesmu svētki kopš Latvijas okupācijas Padomju Savienības laikā – un pirmo reizi atkal bija atļauts atklāti dziedāt patriotiskas dziesmas.

Pārsteigums Rīgas lidostā

Vēlāk koris „Dzintars“ viesojās Lindenholzhausenā, un Ula (viņas oficiālais vārds ir Inguna, bet tuvie draugi un ģimene viņu sauc par Ulu – savā brīnišķīgajā autobiogrāfiskajā grāmatā viņa sevi dēvē par „Ulsiks“) kopā ar savu māsīcu Ingrīdu dzīvoja pie mums. Ula uzaicināja mani uz Latviju. Es ar pateicību pieņēmu uzaicinājumu un 1991. gada rudenī – īsi pēc Latvijas oficiālās neatkarības pasludināšanas – devos uz Rīgu.

Man paliks neaizmirstama ierašanās lidostā. Es saņēmu savu bagāžu, devos uz ielidošanas zāli un meklēju Ulu. Es viņu ieraudzīju – un tieši blakus viņai stāvēja pati slavenā diriģente Ausma Derkēvica. Es tikai pārsteigta domāju: „Ak, mani sagaida augstas amatpersonas!” Līdz tam brīdim es vienkārši biju aizmirsuši, ka Ausma ir Ulas māte. Šajā reizē iepazinos arī ar Ulas vīru – Ansis Sauka, brīnišķīgu dziedātāju, komponistu, pianistu un vokālpedagogu. Viņi visi kļuva par maniem tuviem draugiem un svarīgiem cilvēkiem manā dzīvē.

Dzīvojamā istaba televizorā un mīlestība zupā

Šī pirmā vizīte bija kaut kas pavisam īpašs, un mēs ātri sadraudzējāmies. Manai latviešu ģimenei tolaik piederēja liels, skaists dzīvoklis Vīlandes ielā, netālu no slavenā Rīgas jūgendstila kvartāla. No šī laika man īpaši atmiņā palikuši divi notikumi:

Ausma bija fantastiska pavāre. Taču vienreiz viņai zupa nedaudz neizdevās. Viņa smaidot atvainojās, sakot: „Tomass, man žēl, bet zupa ir pārāk sāļa – un tas ir tāpēc, ka mēs tevi ļoti mīlam!”

Citu reizi mēs kopā sēdējām viesistabā, un televizors bija ieslēgts. Pēkšņi tieši šī viesistaba ar dīvānu, uz kura mēs tobrīd sēdējām, parādījās Latvijas televīzijā! Tas bija ieraksts, kurā Ausma sniedza interviju par leģendāro latviešu diriģentu Haralds Mednis. Tikko raidījums bija beidzies, piezvanīja tālrunis: Mednis personīgi bija pie tālruņa, lai aizkustināts pateiktos Ausmai par sirsnīgajiem vārdiem.

Patiesa lielība pazemībā

Šajā vizītē mani dziļi iespaidoja tas, ka Ausma, neskatoties uz savu slavu, bija tik jauka un pazemīga personība. Tas nemainījās līdz pat viņas nāvei. Viņa pati reiz man teica: „Ikdienā cilvēki dažkārt redz, ka es par daudzām lietām esmu sašutusi, un tad brīnās, ka diriģējot es vienmēr esmu tik atbrīvota un mierīga.“ Es Ausmu vienmēr esmu uztvēris kā mierīgu cilvēku. Ikviens, kam ir kaut mazākā nojausma par to, cik grūta bija dzīve komunisma laikā Padomju Savienībā – īpaši okupētajās Baltijas valstīs –, var pilnībā saprast šādu attieksmi.

Šodien es vairs pat nezinu, cik reižu kopumā esmu bijis vizītē Latvijā, bet daži notikumi ir dziļi iegravējušies manā atmiņā: 

Nākamajā Dziesmu svētku gadā 1993. gadā – pirmajos svētkos tagad jau atkal pilnībā neatkarīgajā Latvijā – man kā „ģimenes loceklei” bija atļauts sēdēt otrajā rindā tieši blakus diriģentiem – tas bija neaizmirstams brīdis. Es atceros arī to, kā Ausma man stāstīja par savu tikšanos ar Bilu Klintonu. Viņa savā dzīvē ir satikusi neskaitāmas pasaules slavenības, tostarp Juriju Gagarinu (pirmo cilvēku kosmosā) un Davidu Oistrahu. Reiz pasaulslavenais diriģents Mariss Jansons kā pateicību par koncertu gribēja viņai uzdāvināt vērtīgu, dārgu pulksteni. Taču Ausma to pieticīgi atteica un lūdza tā vietā pavisam vienkāršus pulksteni. Tas šodien ir izstādīts Dziesmu svētku muzejā.

Ausmai bija ļoti svarīgi, lai Latvija tiktu uzņemta NATO. Es joprojām atceros, kā viņa devās kopā ar mani uz Rīgas vecpilsētu, lai redzētu NATO lidmašīnas debesīs. Šajā pastaigā mēs satikām brīnišķīgo, diemžēl pārāk agri mirušo komponistu Mārtiņu Braunu, kurš agrāk bija studējis pie Ausmas.

„Vācu rūpība un slāvu dvēsele“

Tieši pirms manas aizbraukšanas vienā no šiem apmeklējumiem Ausma man teica vienu no skaistākajiem komplimentiem, kādus esmu saņēmis. Viņa man teica: „Tomass, divas reizes gadā man nākas raudāt: kad klausos īpaši aizkustinošu mūziku – un kad tu atkal aizbrauc.“

Vēlāk es divus mēnešus pavadīju Latvijā, lai veiktu praksi universitātes germanistikas nodaļā, kur man bija atļauts pasniegt vācu valodu un valodniecību. Tajā laikā Ausma jau bija nedaudz vājinājusies veselības ziņā. Es bieži stundām sēdēju pie viņas gultas, un mums bija brīnišķīgas sarunas. Ausma teicami runāja vācu valodā. Laika gaitā es gan iemācījos latviešu valodu, bet intīmās sarunās tomēr bija vieglāk sarunāties vācu valodā.

Noteikti jāpiemin viens no viņas mīļākajiem vārdiem: „Schweinerei!” Kad es kādreiz viņai pastāstīju, ka tirgū esmu nopircis ļoti lēti grāmatas no ievērojamā latviešu rakstnieka Jāņa Rainisa, viņa sašutusi iesaucās: „Tas ir netaisnīgi! Latviešu Gēte tiek pārdots tik lēti!”

Manī dziļu iespaidu atstāja arī Ausmas lielā mīlestība pret čehu tautu. Viņa man stāstīja, ka 1968. gadā, īsi pēc Prāgas pavasara vardarbīgās apspiešanas, viņa ar savu kori bija Čehoslovākijā. Kad čehu iedzīvotāji ieraudzīja autobusu ar padomju numura zīmēm, sākumā lidoja akmeņi. Līdzceļojušie KGB uzraugi izsmējīgi teica: „Šeit neviens par jums neinteresēsies.” Taču viss izvērtās pavisam citādi: koncertā radās dziļi aizkustinoša solidaritāte. Čehu publikai bija jūtama saikne, un tā izteica: „Jums, latviešiem, klājas tieši tāpat kā mums. Jūs esat mūsu māsas un brāļi.”

Man neaizmirstams paliek Ausmas teikums: „Zini, Tomass, čehu mentalitāte ir labākā no visām tautām: vācu rūpība un slāvu dvēsele.“ Tas mani personīgi dziļi aizkustināja, un Ausma vienmēr uzskatīja manu māti, kura 1940. gadā dzimusi Plzenē, par čehieti: „Viņa ir tik laba cilvēka, jo nāk no Čehijas!“

Liels gabals dzimtenes

Būtu vēl neskaitāmi daudz šādu anekdošu, ko pastāstīt, bet šodien es to atstāšu pie tā. Domāju, ka fotogrāfijas, kuras esmu pievienojusi šim rakstam, runā pašas par sevi. Manā dzīvē bija milzīga laime satikt tik brīnišķīgu personību, un es ceru, ka man bija iespēja daudz no viņas iemācīties.

Pagājušajā gadā es atkal apmeklēju savu latviešu ģimeni – un tas noteikti nebija pēdējais reiss. Man Latvija nav vienkārši kāda valsts kartē. Tā ir liela daļa no manas dzimtenes, kurā man bija iespēja piedzīvot neaizmirstamus mirkļus. Es Ausmu vienmēr paturēšu atmiņā un godināšu ar dziļu pateicību.

 

 

„Wahrhaftigkeit im Wort: Mein neues Videoprojekt ‚Rot ist meine Farbe‘ ist online. Eine Einladung, das Leben und den Glauben ohne Maske zu betrachten.“

 



 

Abschied von einem großen Freund: Joan Vilà i Miró (1951–2025)

Ein sehr wichtiger Mensch in meinem Leben ist am 18. Dezember 2025 gestorben. Es hat lange gedauert, bis ich mich zu diesem Nachruf aufraffen konnte, aber manchmal braucht es etwas zeitliche Distanz, um die richtigen Worte zu finden. Meine Gedanken waren jedoch oft bei Joan und besonders bei Esteve, für den dieser Verlust am größten ist.
Begegnung im Gran Teatre del Liceu
Wir haben uns während meines Erasmusstudiums 1989 im Gran Teatre del Liceu in Barcelona kennengelernt. Vor dem Brand des Opernhauses gab es dort eine sogenannte „Entrada General“, d. h. unnummerierte Plätze im 4. und 5. Rang. Um einen Platz mit einigermaßen Sicht zu ergattern, musste man einige Stunden vor der Vorstellung im Theater sein und im Treppenhaus Schlange stehen oder sitzen. Viel Zeit, um sich zu unterhalten – und viel Zeit für mich, mein geliebtes Katalanisch zu praktizieren.
Ich bin mir gar nicht mehr sicher, in welcher Vorstellung wir uns kennengelernt haben. Es könnte Eugen Onegin oder Adriana Lecouvreur mit der legendären Mirella Freni gewesen sein. Besonders in Erinnerung sind mir jedenfalls die Aufführungen von Boris GodunowAnfang 1990, kurz bevor ich nach Deutschland zurückgekehrt bin. Ich glaube, dass wir beide gespürt haben, dass dort eine besondere Freundschaft entsteht.
Es ist heute kaum mehr vorstellbar, aber in dieser Zeit hielten wir den Kontakt über die normale Post aufrecht. Joan schrieb seine Briefe – die ich natürlich alle aufgehoben habe – mit dem Computer, weil er seine Handschrift für unleserlich hielt. Er wiederum musste mit meiner sicherlich noch unleserlicheren Schrift irgendwie zurechtkommen.
„Has matat el vi!“
Es kam dann auch eine Einladung, und ich besuchte ihn über Silvester. Damals lernte ich auch Esteve kennen, und unvergessen ist mir seine Mutter, die schon sehr alt war. Ich hatte den Eindruck, dass sie mich sehr mochte – und das beruhte auf Gegenseitigkeit. Eine für mich peinliche Situation ist mir noch in bester Erinnerung: Es war bei den Mirós üblich, den Wein ein wenig mit Wasser zu verdünnen. Da ich das so kannte, machte ich das auch am Neujahrstag. Alle schauten mich entgeistert an und ich fragte Joan, was denn los sei. Er meinte nur: „Has matat el vi! Du hast den Wein getötet. Das war ein sehr teurer Wein!“
Einige Jahre später verbrachte ich für meine Magisterarbeit wieder sechs Monate in Barcelona. Joan half mir in der Not aus, als ich Probleme hatte, eine Wohnung zu finden, und ich konnte ca. einen Monat bei ihm wohnen. Dafür bin ich ihm noch heute unendlich dankbar.
Eine Seele für die Musik
Joan wusste über Stimmen wie kaum ein anderer. Ich konnte mich immer auf seinen fachkundigen Rat verlassen, er war dabei stets ehrlich. Er selbst hatte als Kind die Bretter, die die Welt bedeuten, betreten und als Solist im Liceu gesungen (wenn ich mich nicht irre, in Tosca). In der Pubertät verlor er leider seine schöne Stimme, weshalb die Sängerkarriere früh endete.
Obwohl er viele Jahre als Buchhalter arbeitete, blieb die Musik seine große Leidenschaft. Er komponierte Sardanes, den katalanischen Nationaltanz, und wunderbare Lieder. Ich hüte seine Partituren wie einen Schatz. Joan sah sich nie als professionellen Komponisten, aber seine Lieder haben so viel Seele – sie sind großartige Werke.
„Nodreix l’amor“ – Eine letzte Ehre
Es war mir eine große Ehre, eines seiner jüngsten Lieder, „Nodreix l’amor“, uraufführen zu dürfen. Das fand in einem Gesangsmeisterkurs in Münster statt. Ich musste die Aufführung gegen Widerstände durchsetzen, da ein Seminarleiter meinte, ein katalanisches Lied sei nicht für ein Abschlusskonzert geeignet. Ich zog es durch und erinnere mich an das Kompliment eines Kollegen: „Du singst mit sooo viel Gefühl!“
Leider wartet ein Ave Maria, das Joan für Sopran und Bass für mich komponiert hat, noch immer auf seine Uraufführung. Dass zwei Sopranistinnen mich dabei versetzten, erfüllte mich mit Scham, aber es zeigte mir auch, dass Joans große Menschenliebe etwas ganz Besonderes war, das man in einem Bereich voller Egoismus und Narzissmus leider selten findet.
Was bleibt
In den letzten Jahren hielten wir Kontakt, sahen uns aber nicht mehr. Joan reiste nicht gern in Länder, deren Sprache er nicht sprach. Bei den letzten Neujahrsgrüßen meinte ich noch: „Nächstes Jahr sehen wir uns bestimmt!“ Er war skeptischer – sein Tod hat es verhindert.
Die Nachricht seines Todes erreichte mich durch unseren gemeinsamen Freund Lluís Sintes. Esteve hat Joan noch in meinem Namen umarmt, und ich hoffe, es hat ihn noch erreicht. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen wunderbaren, bescheidenen Menschen, die durch seine Kompositionen wachgehalten wird.
Wir haben nie über den Glauben gesprochen, aber in seinem Ave Maria spüre ich eine so große Spiritualität, dass ich überzeugt bin: Er war im Grunde ein tiefgläubiger Mensch. Ich werde seiner in der Frankfurter Liebfrauenkirche in einem Gottesdienst gedenken.
Ruhe in Frieden, großer Freund! Du bist wunderbar und einzigartig.





Adéu a un gran amic: Joan Vilà i Miró (1951–2025)




Una persona molt important a la meva vida va morir el 18 de desembre de 2025. Vaig trigar molt a posar-me a escriure aquest obituari, però de vegades cal una mica de temps per trobar les paraules adequades. Els meus pensaments, però, sovint estaven amb en Joan i especialment amb l'Esteve, per a qui aquesta pèrdua és la més gran. 

 

Ens vam conèixer durant el meu any d'Erasmus el 1989 al Gran Teatre del Liceu de Barcelona. Abans de l'incendi del Liceu, hi havia el que es coneixia com a «Entrada General», és a dir, seients sense número a la 4a i 5a planta. Per assegurar-se un seient amb una vista raonablement bona, calia ser al teatre diverses hores abans de l'actuació i fer cua o seure a l'escala. Molt de temps per xerrar i molt de temps perquè jo practiqués el meu estimat català.

 

Ja no estic gens segur de quina funció va ser en què ens vam conèixer. Podria haver estat *Eugeni Oneguin* o *Adrian Lecouvreur* amb la llegendària Mirella Freni.

En qualsevol cas, recordo especialment les representacions de *Boris Godunov* a principis de 1990, poc abans que jo tornés a Alemanya. Crec que tots dos vam intuir que s'estava forjant una amistat especial.

 

Potser és difícil d'imaginar avui dia, però en aquella època ens manteníem en contacte per correu postal, i en Joan havia mecanografiat les seves cartes —que, per descomptat, he guardat— a l'ordinador

 

 

 

Potser avui és difícil d'imaginar, però aleshores estàvem en contacte per correu postal, i en Joan havia escrit les seves cartes —que, naturalment, he guardat totes— a l'ordinador, perquè pensava que la seva cal·ligrafia era il·legible. Ell, al seu torn, s'havia de conformar amb la meva cal·ligrafia, que segurament era encara més il·legible.

"Has matat el vi!"

Finalment va arribar una invitació i el vaig visitar per Cap d'Any. Llavors també havia conegut l'Esteve, i no oblidaré mai la seva mare, que ja era molt gran. Vaig tenir la impressió que li agradava molt, i jo també li vaig agafar afecte. Encara recordo vívidament una situació que em va resultar bastant vergonyosa. A casa dels Miró era costum diluir una mica el vi amb aigua i, com que jo n'estava acostumat, vaig fer el mateix el dia de Cap d'Any. Llavors tothom em va mirar amb estupor i vaig preguntar al Joan què passava. Ell simplement em va dir: «Has matat el vi! Era un vi molt car!».

 

Uns anys més tard, vaig passar uns altres sis mesos a Barcelona treballant en la meva tesi de màster, i en Joan em va donar un cop de mà quan em costava trobar pis; vaig poder estar amb ell durant un mes aproximadament. Avui dia encara li estic infinitament agraït per això.

Una pasió per la música

Hi ha moltes més anècdotes que explicar, però m'agradaria dir unes paraules sobre la seva musicalitat. En Joan en sabia de veus més que gairebé ningú. Sempre podia confiar en el seu consell expert, i a més era molt honest. Ell mateix havia pujat a l'escenari de petit i havia cantat com a solista al Liceu. Si no m'equivoco, va ser a *Tosca*. Malauradament, va perdre la seva preciosa veu durant la pubertat, motiu pel qual la seva carrera com a cantant va acabar prematurament.

 

Després, en Joan va treballar durant molts anys com a comptable, però la seva gran passió va continuar sent la música.

Va compondre *Sardanes*, la dansa nacional catalana, així com algunes cançons meravelloses. Tinc totes les partitures i les considero un tresor, un regal preciós. En Joan mai no es va veure com un compositor professional, però les seves cançons tenen tanta ànima que no importa. Són obres magnífiques.

"Nodreix l'amor"- un homenatge final

Va ser un gran honor per a mi poder oferir la primera mundial d'una de les seves cançons més recents, 'Nodreix l'amor'. Això va tenir lloc en un taller a Münster, i vaig haver de superar una mica de resistència perquè es fes, ja que un dels responsables del seminari considerava que una cançó en català no era gaire adient per al concert de cloenda. Però vaig tirar endavant, i recordo el gran compliment d'una altra cantant: «Cantes amb tant de sentiment!».

 

També va ser un gran honor per a mi que Joan composés un Ave Maria per a soprano i baix per a mi. Malauradament, dues sopranos em van fallar, i per això l'obra encara està pendent de la seva estrena mundial. Això em va omplir de gran vergonya, però també em va mostrar que l'immens amor de Joan per la humanitat és quelcom força especial i, malauradament, no és quelcom que es trobi a tot arreu, especialment en un àmbit on l'egoisme i el narcisisme estan a l'ordre del dia.

Què en queda?

Durant els darrers anys, naturalment vam mantenir el contacte, però ja no ens vèiem. La raó era que feia molts anys que jo no havia anat a Catalunya, i en Joan no era de les persones que viatgessin gaire a l'estranger. Especialment a països on no parlés l'idioma. En els nostres últims salutams de Cap d'Any, vaig dir: «Segur que ens veurem l'any que ve!». Probablement ell era més escèptic sobre això, i la seva mort va impedir que passés.

 

Fins al final, en Joan havia estat pujant cims diverses vegades per setmana fent excursions de muntanya, la qual cosa va fer que la notícia, rebuda del nostre meravellós amic comú Lluís Sintes, que en Joan s'estava morint, fos encara més impactant. L'Esteve li va donar una abraçada en nom meu, i espero que l'hagi sentida.

 

 El record d'una persona meravellosa i humil, i aquest record es manté viu a través de les seves composicions.

 

En Joan i jo mai no vam parlar de fe, i sens dubte no era un feligrès habitual. Tot i així, en la seva composició 'Ave Maria' hi sento una espiritualitat profunda, i per això estic fermament convençut que, en el fons, era una persona profundament devota.

 

El commemoraré amb una inscripció commemorativa en un ofici a la Liebfrauenkirche de Frankfurt i espero que això s'ajusti als seus desitjos.

 

Descansa en pau, estimat amic! Ets meravellós i únic.

 

Amb gratitud, el teu amic Thomas